Klassenfahrt und Pseudo-Verlosung

Keine Frage: Jede Branche hat ihre schwarzen Schafe. Aber was PR-Leuten hin und wieder an Anfragen begegnet, bringt sicher auch die seriösen Vertreter der schreibenden Zunft zum Kopfschütteln. Während die meisten Journalisten ein gesundes Maß für das Geben und Nehmen bei Pressereisen oder anderweitigen Unterstützungen durch Pressestellen und PR-Agenturen besitzt, schießen vereinzelte Anfragen derartig über das Ziel des Mach- und Zumutbaren hinaus, dass wir unsere Erfahrungen an dieser Stelle gerne mit den Lesern dieses Blogs teilen möchten. Besonders hoch im Kurs: Recherchereisen mit Kind und Kegel über Weihnachts- und Osterfeiertage. Für Verlosungen wird sogar hier und da einmal die Eröffnung eines neuen Hotelstandortes gefordert…
Hier kommen unsere Top 5 der Journalisten-Anfragen für Pressereisen und andere redaktionelle Unterstützung:
Platz 1:
„Lieber Herr V., meine Tochter hat in Kürze ihren 18. Geburtstag und möchte mit ihren zehn Freundinnen auf Mallorca feiern. Könnten Sie freundlicherweise die Flugtickets dafür sponsern?“
Platz 2:
„Lieber Herr M., wir fahren auf Fotoproduktion in das Skigebiet Ihres Kunden X und benötigen Freiskipässe. Ich bin Fotograf und habe meine Assistenz dabei. Zudem kommen ein weiterer Assistent und unsere zwei Auszubildenden mit, die das Handwerk eines Fotografen ja vor Ort am Gletscher lernen müssen – insgesamt benötigen wir also fünf Freiskipässe für unser Team. Vielen Dank für Ihre Kooperation!“
Platz 3:
„Liebe Frau A., für einen Produkttest auf unserer Website benötigen wir einen neuen Drucker Ihres Kunden.“ Frau A. googelt interessiert die Website und stößt zu ihrer Überraschung auf nackte Tatsachen. Rückfrage von Frau A: „Wo können Sie auf Ihrer Erotik-Website Produkttests platzieren?“ Antwort: „Naja, es ist eher ein Gewinnspiel. Und bei diesem wird dann leider der Gewinner nicht erreichbar sein und wir verwenden den Drucker dann für unser Büro. Danke für Ihr Verständnis. “
Platz 4:
Ein Verlagsmitarbeiter möchte zum Stadtgründungsfest in München ein Wohlfühlwochenende für zwei Personen verlosen – naheliegender Weise in der bayerischen Landeshauptstadt. Der PR-Kollege macht darauf aufmerksam, dass die angefragte Hotelkette leider nur Häuser in Osteuropa betreibt. Die Reaktion: Das sei sehr schade – man solle sich doch bitte einmal überlegen, dann auch endlich mal ein Haus in München zu eröffnen.
Platz 5:
„Ich möchte Ihr Hotel gerne über Weihnachten und Neujahr testen. Ich denke, zwei Wochen werden reichen, um das Hotel ausreichend kennen zu lernen. Ich komme mit meiner Assistentin und einem Fotografen, der ebenfalls seine Assistentin mitbringt. Wir benötigen zwei Doppelzimmer.“
Anmerkung: Es handelte sich hier um eines der teuersten Hotels im arabischen Raum.
Autoren:
Julia Pawelczyk und Roberto La Pietra

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10 Gedanken zu „Klassenfahrt und Pseudo-Verlosung

  1. Liebe Anke, Du weißt ja: es ist einfach eine abwechslunsgreiche Branche und wie sagte schon Forrest Gump: Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel, Du weißt nie was Du bekommst 🙂

  2. Endlich schreibts mal jemand auf…
    Auch schön:

    Gerne möchten wir einen Reisebericht über Kreuzfahrtschiff XY recherchieren. Die PR-Fotos sind allerdings unbrauchbar, daher würden wir mit Fotograf und Assistent und Models reisen. Allerdings kann es eine Familiensuite sein, die Models sind meine Frau und Kinder, der Assistent mein Bruder und die Fotos mache ich selbst.

  3. Auf so was habe ich lange gewartet. Super Idee! Schade nur, dass Ihr nicht Ross und Reiter nennt, ich finde, soviel Dreistheit meiner lieben Kollegen sollte öffentlich belohnt werden.

    • Vielen Dank für Ihr Feedback! Wir sehen solche Anfragen eher mit einem Augenzwinkern und nehmen es auch nicht weiter ernst. Wir wollen damit ja auch niemanden schaden, daher besser keine Namen.

      • Das Ganze mit einem Augenzwinkern zu sehen, ist sehr ehrenvoll. Doch leider muss man das ernst nehmen, weil diese Kollegen es ernst meinen und somit massiv den Ruf der ganzen Branche beschädigen.

  4. Haha, also so gut hab ich selten gelacht. Vor allem das Gewinnspiel, was ganz ohne Gewinner auskommen muss 😀 Scheinbar nehmen einige ihre Position echt zu wichtig da…. Da würd’s mich als PR-Verantwortlichen auch schon reizen, da mal die ein oder andere Ansage zurückkommen zu lassen.

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