Neue Medien: „Radio HNA“ aus Kassel –Digitalisierung, anders gemacht

„Eine Zeitung bekommt ein eigenes Radio“. Mit dieser Ankündigung überraschte die Hessische/Niedersächische Allgemeine (kurz: HNA) im vergangenen Frühsommer in einer Stellenanzeige auf der Suche nach „On Air Personalitys“. Nun ist es zwar keineswegs ungewöhnlich, dass sich potente Verlage an Radiostationen beteiligen – sie tun dies seit der Öffnung der Frequenzen für privaten Hörfunk Ende der 80er Jahre. Besonders ist aber, dass es sich bei „Radio HNA“ um ein klassisches Webradio handelt, welches über keine terrestrischen Frequenzen – weder analog noch digital – verfügt. Die HNA ist der erste renommierte Verlag, der auf ein entsprechendes Angebot setzt.

Seit Anfang Januar 2012 sendet das „Radio HNA“ aus einem Radiostudio in Kassel. Der Sender verfügt über eine eigene (kleine) Redaktion mit „echten“ Hörfunkredakteuren, greift aber zusätzlich auf das bestehende Netzwerk an (Print-)Lokalkorrespondenten im Verbreitungsgebiet der HNA zurück. Für regionale Werbetreibende soll es künftig möglich sein, crossmedial in Print- und Online-Ausgabe sowie dem Hörfunkprogramm von Radio HNA zu werben. Der gleiche crossmediale Ansatz gilt für die Berichterstattung zu Events in Nordhessen und dem südlichen Niedersachsen. 

Webradio war bislang zumeist ein Tummelplatz semiprofessioneller Angebote von Hobby-Radiomachern – von wenigen Stationen wie dem zu Recht hochgelobten „Byte FM“ einmal abgesehen. Webradio, das ist bis heute ein Verbreitungskanal, mit dem sich kein Geld verdienen lässt und der allenfalls als nettes „Add-on“ zur traditionellen UKW-Verbreitung taugt, die – nach wie vor – der bei weitem meistgenutzte Weg ist, um zu Hause, im Büro oder beim Autofahren seinen Lieblingssender zu empfangen. Hinderlich für willige Radiomacher ist nur: Quasi alle verfügbaren Frequenzen im UKW-Band sind bereits belegt.

Die Digitalisierung des Hörfunks kommt nur schleppend voran. Foto: Pixelio.de/Dieter Schütz

Die Digitalisierung des Hörfunks kommt nur schleppend voran. Foto: Pixelio.de/Dieter Schütz

Eine Digitalisierung des terrestrischen Hörfunks, welche die dringend benötigten Kapazitäten für neue Sender verspricht, ist zwar seit Jahren geplant, kommt aber mangels Akzeptanz in der Bevölkerung nicht wirklich voran. Erst Ende vergangenen Jahres war der neue Standard „DAB+“ on air gegangen – mit großem Werbeaufwand und zahlreichen neuen Hörfunkprogrammen von „Album-oriented Rock“ bis Lounge-Musik. Die Verkaufszahlen digitaler Radiogeräte können, überspitzt gesagt, jedoch an einer Hand abgezählt werden. Davon, dass „DAB+“ in Zukunft einmal die UKW-Ausstrahlung ablösen könnte, spricht angesichts des digitalen Debakels in der Radiobranche kaum noch jemand.

Das Engagement der HNA im Webradio-Bereich ist daher besonders zukunftsweisend: Angesichts der rasanten Verbreitung von Smartphones und Tablet-PCs ist mit dem Internet nämlich bereits ein neuer, digitaler Übertragungsweg für Hörfunk entstanden: Fast überall nutzbar – und dies ohne zusätzliche Investitionen in ein separates, digitales Radiogerät. Sollten in naher Zukunft große Audio-Daten zum Fixpreis auch zuverlässig mobil abrufbar sein, stünde einer Nutzung von Websendern beispielsweise auch im Auto nichts mehr im Wege.

Angebote mit einem klaren redaktionellen Profil – wie „Radio HNA“ – haben dann die Nase vorn und erreichen auf einen Schlag technisch mehr Menschen, als digitale Radioempfänger bislang jemals verkauft wurden.

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