Kind und Karriere – ja, es geht!

Die Vereinbarkeit von Karriere und Kindererziehung für berufstätige Mütter ist auch oder gerade in Zeiten von Mixed Leadership und Frauenquote ein großes Thema. Jüngst heizte die Personalie der hochschwangeren Marissa Mayer, die als CEO beim Internetriesen Yahoo einsteigt, die Debatte für familienfreundliche Unternehmenspolitik wieder an. Während in anderen Ländern flexible Arbeitszeitmodelle für Mütter längst kein Problem mehr darstellen, scheuen deutsche Unternehmen immer noch vor Home Office und Co zurück. Das bestätigte eine Umfrage des Münchner Ifo-Instituts unter rund 1.000 Personalleitern, Spiegel Online berichtete. Dass es auch in Deutschland flexible Arbeitgeber gibt, zeigt das Beispiel von Kathrin Wickenhäuser, Geschäftsführerin im Münchener Hotel Cristal, die mit einer Teilzeitausbildung für junge Mütter neue Wege geht. Wir haben uns mal bei den Kollegen umgehört, die ihren Weg zwischen Kind und Karriere gefunden haben.

10 Jahre virtuelles Büro – das Home Office als Segen für „Working Moms“

Marion Krimmer im Home Office

Marion Krimmer im Home Office

Ich war zugegebenermaßen ziemlich nervös, als ich vor zehn Jahren meinen Schreibtisch in der Agentur räumte, und wenige Wochen nach der Geburt meines Sohnes das erste Home Office Modell bei Wilde & Partner begann. Klappt es in Sachen Technik, bleibe ich dem Kollegenkreis verbunden, akzeptieren die Kunden die Abgeschnittenheit, und bekomme ich wichtige Informationen überhaupt noch mit? Viel Unsicherheit begleitete diesen Schritt. Nun, eine ganze Dekade und ein zweites Kind später, kann ich aus tiefster Überzeugung Werbung für das virtuelle Büro machen.  Das Home Office bietet für „Working Moms“ viele Vorteile. Für mich die Wichtigsten: Es gibt keinen kürzeren Arbeitsweg, und das  ruhige Umfeld sorgt für ein sehr effizientes Arbeiten. Die technische Entwicklung macht es heutzutage problemlos möglich, die Arbeitsnummer mit einem Mausklick nach Hause umzuleiten, so dass viele meiner Ansprechpartner gar nicht registrieren, dass ich nicht von den Agenturräumen aus arbeite. Telefonisch bin ich mit den Kollegen sehr gut vernetzt, und fühle mich jederzeit über alles Wichtige informiert. Natürlich hätte ich gerne mehr direkten Kontakt mit ihnen, und verfolge durchaus neidisch Berichte von lustigen Mittagessen oder netten gemeinsamen Unternehmungen. Aber ein Home Office bedeutet auch einen gewissen Verzicht, und mit einem Familienumfeld zudem absolute Konzentration auf das Wesentliche. Die größte Herausforderung ist es in meinen Augen, allem gerecht zu werden – den Anforderungen der Chefs, Kollegen, Kunden und Kontakten, aber auch denen der Familie. Denn mit dem virtuellen Büro läuft man durchaus Gefahr, zu lange am Schreibtisch zu sitzen. Hier ist viel Eigendisziplin gefragt. Und schließlich ist es auch die große Flexibilität, die ein Home Office Modell für eine „Working Mom“ so attraktiv macht. Ich bin meinen Chefs jedenfalls sehr dankbar für die Chance, die mir vor zehn Jahren eingeräumt wurde. Und fühle mich auch mit virtuellem Büro sehr gut integriert.

von Marion Krimmer

Raus aus dem Familientrott – rein ins volle Berufsleben!

NIcola Vogt am Schreibtisch in der Agentur

NIcola Vogt am Schreibtisch in der Agentur

Okay, es ist nicht zu leugnen: Das Home Office bringt viele Vorteile und tatsächlich wenige Nachteile. Allerdings muss man – so wie meine Kollegin Marion – der Typ dafür sein. Ich bin es nicht! Ich brauche eine klare Trennung zwischen Heim und Arbeitsplatz.

Vor inzwischen fast sieben Jahren nach der Geburt meiner ersten Tochter war für mich von Anfang an klar, dass ich schnellstmöglich zurück an meinen Arbeitsplatz in der Agentur möchte. Der Austausch mit den Kollegen, die Agenturatmosphäre, die Dynamik zwischen Neugeschäft, Kundenbetreuung, Krisensituationen und täglichen Siegen und Niederlagen faszinieren mich seit ich bei Wilde & Partner vor fast zehn Jahren angefangen habe.

Im Alltag bedeutet das jedoch: Früh aufstehen! Im wörtlichen Sinne. Denn: Meine (inzwischen) zwei kleinen Mädchen morgens zur rechten Zeit fertig zu machen, ist eine tägliche, schweißtreibende Herausforderung, die oft an der Kleiderwahl, der passenden Frisur, der Weigerung die Zähne zu putzen oder anderen kindlichen Befindlichkeiten zu scheitern droht. Dann folgt der Weg in den Kindergarten und die Fahrt durch den morgendlichen Stau. Doch, wenn ich dann mit meiner feinen Tasse Latte Macchiato endlich am Arbeitsplatz sitze und mich voll und ganz der Arbeit widmen kann, bin ich spätestens versöhnt. Ganz auf die Möglichkeit zuhause zu arbeiten, möchte ich jedoch nicht verzichten: Ferienzeiten und Krankheit der Kinder kann man so für alle gleichermaßen erträglich abfedern.

Natürlich steht und fällt dieses System mit den qualifizierten Betreuungsplätzen für die Kinder und der Zusammenarbeit beider Eltern. Und: Diese Modelle für Eltern funktionieren auch nur, wenn der Arbeitgeber mitspielt und offen für flexible Lösungen ist. Wilde & Partner bietet derzeit vier Müttern Teilzeit- und Home Office-Arbeitsplätze – keine schlechte Bilanz bei gut 30 Mitarbeitern!

Wichtig ist jedoch, dass weiter hart an der gesellschaftlichen und politischen Willensbildung gearbeitet wird. Für uns heißt das: Weiterer Ausbau der Betreuungsplätze vom Krippen- bis zum Schulalter und Akzeptanz der gleichberechtigten Rolle der Väter in der Kinderbetreuung, was bei vielen Arbeitgebern leider noch nicht angekommen ist. Es gibt also noch viel zu tun!

von Nicola Vogt

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