Dokusoap statt Voxtours

Katze statt Kuba: Vor rund zehn Jahren haben wir PR-Leute uns noch mit Wonne auf die unterschiedlichsten TV-Reiseformate geworfen. Ganze 45 Minuten wurden da einem Reiseziel gewidmet, und gerade für die Destinationen war dies die perfekte Werbe-Plattform. Voxtours und Wolkenlos boten die prominentesten Darstellungsmöglichkeiten – sogar für die Hotels, die die Reise des TV-Teams sponserten. Denn die wurden großzügig in den Übernachtungstipps vorgestellt.

Doch diese Zeiten sind längst vorbei: Die Anmoderationen der legendären Judith Adlhoch vor paradiesischen Traumstränden flimmern schon lange nicht mehr durch das Sonntagabend-Programm. Und Wolkenlos-Moderatorin Mary Amiri berichtet heute über die Angebote von SonnenklarTV anstatt im Rahmen des beliebten Kult-Formats.

Katze statt Kuba...Na ja, wenn einem sonst keiner mehr die Welt zeigen will...

Katze in China…Na ja, wenn einem sonst keiner mehr die Welt zeigen will…
(Quelle: http://tinyurl.com/a8a82cy)

Nun ist es aber keineswegs so, dass stimmungsvolle Bewegtbilder zu fernen Welten nur noch auf YouTube und anderen Websites zu sehen sind, denn auch im guten, alten Fernsehen gibt es noch Formate, die einem die ferne Welt ins heimische Wohnzimmer bringen. Nur: anders irgendwie.

An die Stelle von Reise-Klassikern ist heute eine Vielzahl von Dokusoaps – böse Zungen sagen TrashTV – getreten. Wer sich pauschal drüber lustig macht, verkennt die Wirkung der teils überaus reichweitenstarken Formate. Der Bachelor bringt uns in der aktuellen Staffel die Schönheit der südafrikanischen Kapregion näher, Daniela Katzenberger erkundet für uns die Märkte der chinesischen Provinz und die Auswanderer von Goodbye Deutschland zeigen uns, wie malerisch ihre Strandbar an der Küste der brasilianischen Bahia liegt.

Die Anwärter auf den Titel des Superstars reisen in den kommenden Wochen im Pulk nach Curaçao, die Popstars haben vergangenen Sommer auf der Ibiza-Villa residiert und die C-Promis im Dschungelcamp zeigen uns die durchaus auch schönen Seiten des australischen Bundesstaates Queensland. Die Tourismus-Industrie springt schon geraume Zeit auf diese Sendungen auf, sei es in Form von Gewinnspielen, passenden Pressemeldungen oder sogar in der Rolle des Gastgebers.

Bei allen Formaten lässt sich über den Inhalt und die Protagonisten natürlich streiten (allen voran über die Teenager-Gang von Lloret de Mar), aber eines ist sicher: Auch als Zuschauer kommt man hier wirklich ziemlich gut  rum – und das teilweise an nicht sehr alltägliche Orte. Bei der GNTM-Kopie Million Dollar Shooting Star ließen sich die Models zum Beispiel am Abhang der Victoria-Fälle und sogar auf einer Eisscholle in Grönland ablichten. Dass der Siegerin nach dem Titelgewinn ähnliche Shootings winken, halte ich für ziemlich unwahrscheinlich. Nichtsdestotrotz waren die Orte alles andere als fad, denn die Produzenten müssen die TV-Sender und deren Zuschauer mit immer außergewöhnlicheren Locations beeindrucken.

Und wie sagten viele Zuschauer schon in den Achtzigern über das Traumschiff? „Die Story ist platt – aber diese Laaaaaaaandschaftsaufnahmen!“ Bei der Katzenbergerin ist’s nicht viel anders…Auch die ist ja irgendwie eine Botschafterin!

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6 Gedanken zu „Dokusoap statt Voxtours

  1. …na dann lasst uns doch wieder anfangen! Vor Jahren habe ich dafür die Tourvision Ltd. gegründet und kenne auch die Strategie von Dietmar Gunz. Emmanouil Lapidakis hat gerade wieder die Geschäftsführung von Anixe TV „zurückerobert“, den sollten wir mit ins Boot holen 😉 Meldet euch wenn ihr dabei sein wollt ?!? > http://facebook.com/wochenschau

  2. Im Grunde wird dem potentiellen Touristen doch nur etwas vorgegaukelt Da werden Bilder von Traumstränden gezeigt, an denen die Welt noch paradiesisch scheint. Doch was sich nur ein paar Meter im Landesinneren abspielt, bekommt niemand zu sehen. Nimmt man sich den typischen All Inklusive Touristen einmal, von dem eine ganze Branche lebt, dann handelt es sich dabei um eine bedauernswerte Spezies, die nur am reinen Hedonismus interessiert ist. Für die Nöte und Belange der Einheimischen haben sie keinen Blick. Da wird ihnen in den Sendungen etwas von Traumstränden gezeigt, zu denen der Einheimische keinen Zutritt mehr hat. Er, der dort geboren wurde, muss jetzt dem deutschen Pauschalurlauber weichen, der sich an einem Privatstrand breit macht, und nicht mit der Realität konfrontiert werden will. Schon das Traumschiff legte in Regionen an, die teilweise absolut krisengeschüttelt waren. Der Tourismus bringt bei Weitem nicht nur Segen. Und das Auswandern wird für viele zu einem Albtraum.

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