Alles ist relativ – Wieviel ist ein Gemälde wert?

Im November kamen „Three Studies of Lucian Freud“ für sagenhafte 142,4 Millionen Dollar unter den Hammer. Das Gemälde von Francis Bacon hat damit einen Wert von rund 3.500 Mercedes-Limousinen der E-Klasse – Neuwagen! Ist dieser Preis noch real? Einige Gedanken anlässlich des heutigen Todestags von Edvard Munch und Salvador Dalí.

Als Agentur beschäftigen wir uns regelmäßig mit Kunst: Zweimal jährlich laden wir zur Vernissage in unsere Büros – die nächste Ausstellungseröffnung findet im Mai 2014 statt. Wer vor Ort eins der Gemälde kaufen möchte, zahlt erschwingliche Preise. Manch andere Kunstobjekte sind da deutlich teurer…

Heute vor 70 Jahren starb Edvard Munch. Das wohl bekannteste Werk des norwegischen Malers ist „Der Schrei“, welches eine Person mit weit geöffnetem Mund zeigt. Das Motiv gilt als Meisterwerk expressionistischer Kunst. Ich selbst hatte einmal Gelegenheit es aus der Nähe zu betrachten – ohne Zweifel ist es ein spannendes Motiv! Im Kunstführer stand etwas von äußerer Wirklichkeit vs. innerer Verzweiflung. Es beeindruckt, wie mit wenigen geschwungenen Linien so stark Emotionen auf die Leinwand gebracht werden konnten.

Teure Deko – im Munch-Museum in Oslo vor einem der vier Originale von „Der Schrei“.

Doch was ich dort hinter dem Panzerglas sah, waren eben auch „nur“ ein paar bunte Linien mit gekonnter Anordnung. Bestimmt stecken mehrere Stunden Arbeit in dem Werk und vielleicht auch ein ganzer Tag für die Konzeption und Idee. Leinwand und Farbe haben sicher auch ihren Einkaufswert. Doch setzt man all diese Kosten ins Verhältnis zu den knapp 120 Millionen US-Dollar, die das Gemälde vergangenes Jahr bei Sotheby’s erzielte, kann man nur selber mit offenem Mund dastehen. Diese Differenz von Produktionsaufwand und Verkaufspreis schafft nicht mal Coca Cola!

Hier die aktuellen Top 5 der teuersten Gemälde der Welt:

  1. Three Studies of Lucian Freud“ (Francis Bacon): 142,4 Mio. USD
  2. No. 5“ (Jackson Pollock): 140 Mio. USD
  3. Woman III“ (Willem de Kooning): 137,5 Mio. USD
  4. Adele Bloch-Bauer I“ (Gustav Klimt): 135 Mio. USD
  5. Der Schrei“ (Edvard Munch): 119,9 Mio. USD

Woran kann es liegen, dass sich die Preisschraube scheinbar unermesslich nach oben dreht? Platzt irgendwann die Spekulationsblase gefühlter Werte? Oder sollte man gerade jetzt in Kunst investieren – einfach weil es funktioniert, wenn viele es machen? Laut Branchenexperten stürzen sich wohlhabende Chinesen beispielsweise auf alles, was irgendwie mit Picasso zu tun hat.

Aus PR-Sicht stelle ich fest, dass eine Geschichte rund um das Kunstobjekt helfen kann, den Wert zu steigern: Munchs „Der Schrei“ wurde zweimal gestohlen – 1994 und 2004 – und die Medien waren voll! Das Bild erlangte sogar solche Bekanntheit, dass das Motiv immer wieder in Form von Darstellungen oder Parodien aufgegriffen wird: Das reicht von der „Scream“-Horrorfilmreihe mit Start in den 90ern bis hin zu Schrei-Symbolen im heutigen WhatsApp-Chat. Ohne die Diebe wäre das Gemälde sicher weit weniger wert.

Unsere Agentur auf Exkursion – Führung durch die Dalí-Ausstellung „Das goldene Zeitalter“ 2013. Wilde & Partner war Unterstützer der Exposition im Münchner Künstlerhaus.

Pablo Picasso schrieb einst: „Museen sind nichts weiter als ein Haufen Lügen, und die Leute, die aus der Kunst ein Geschäft machen, sind meistens Betrüger“. Was er wohl zu Sotheby’s gesagt hätte?

Faszination Kunstversteigerung – hier im Auktionshaus am Viktualienmarkt.

Ich werde den Wert von Kunst wohl nie ganz verstehen. Doch gerade die fast schon mystischen Rekordpreise führen zu dieser besonderen Faszination.

Mario Arnold

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2 Gedanken zu „Alles ist relativ – Wieviel ist ein Gemälde wert?

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