Flunkern erlaubt – Aprilscherze in der PR

Heute hatten selbst Pressemitteilungen die Lizenz zum Schwindeln: Halbwahrheiten am 1. April sind ein zunehmend beliebtes Instrument der PR-Klaviatur. Endlich dürfen die News mal frei erfunden werden. Hier eine kleine Auswahl an genialen PR-Gags der Vergangenheit – Nachrichtenwert inklusive!

Jemanden „in den April zu schicken“ ist seit mehreren Jahrhunderten Tradition. Woher genau der Spaß kommt, ist bis heute ungeklärt. Die Erklärungen reichen von einem mittelalterlichen „Münztag“, an dem Spekulanten ihr Geld verloren und dafür ausgelacht wurden, bis hin zu Parallelen zur Unvorhersehbarkeit des Aprilwetters.

Bis heute hat die mangelnde Ernsthaftigkeit mit brauchtumsbedingter Erlaubnis Konjunktur. Gerade in der PR lassen Unternehmen ihrer Kreativität freien Lauf und setzen auf virale Verbreitung im Netz. Wer Humor zeigt und Spaß versteht, gilt als jung, sympathisch und innovativ. Insbesondere große Firmen mit etwas zu gesichtsloser Marke haben die Chance, sich einmal menschlich zu zeigen und mit Witz und Charme in der Öffentlichkeit zu punkten.

Was einen guten Aprilscherz in der PR ausmacht? Schauen wir auf ein Beispiel: Ein Airbus A380 mit sechs Flügeln – zu übertrieben. Transatlantikflüge nach Kassel-Calden – das klingt spannend! Entscheidend ist demnach, die Balance zu finden zwischen unerwarteter Ankündigung mit echtem Nachrichtenwert und gleichzeitigem Gespür für nicht zuviel Absurdität. Ratsam ist auch, sich nicht auf Kosten anderer lustig zu machen, sonst ist das sympathische Bild schnell wieder zerstört.

Hier einige geniale PR-Aprilscherze aus der Vergangenheit:

  • YouTube: Nur eine Videoplattform? Nein, viel mehr als das! Am 1. April 2013 gab YouTube bekannt, in Wahrheit ein gigantischer versteckter Filmwettbewerb zu sein. Teilnehmer seien automatisch alle bislang hochgeladenen Videos. Der Gewinner werde aufgrund der enormen Datenmenge erst 2023 bekannt gegeben.

  • Ryanair: Die irische Airline ist Meister darin, regelmäßig durch überzogene Ankündigungen mit wenig Aufwand reichweitenstark in den Medien zu landen. 2011 wirkte ein Aprilscherz dann aber doch fast zu weit aus dem Fenster gelehnt: Umfragen hätten gezeigt, dass rund ein Drittel der Passagiere schon unter mitreisenden Kindern gelitten hätten. Daher werde man mit Beginn des Winterflugplans kinderfreie Flüge einführen, um die Gäste an Bord vor „other people’s little monsters“ zu bewahren.
  • Starbucks: So beliebt die Kaffeekette auch ist, so oft muss sie sich doch auch Häme über die drei unverständlichen Größenbezeichnungen „tall“, „grande“ und „venti“ gefallen lassen. Mit Humor wurde am 1. April 2011 gekontert: „Starbucks listens to customer request for more sizes“! Neu im Angebot seien bald XXXXL-Becher mit einem Fassungsvermögen von rund 3,7 Litern. Nach Unternehmensangaben seien die Becher nach dem Trinken bestens als Popcorn-Behälter geeignet.

Auch heute tobte wieder ein Aprilscherz-Sturm durch das Netz: Von Markus Lanz als Traumschiff-Kapitän über den Wechsel von Felix Neureuther zum Österreichischen Skiverband bis zur Schwangerschaft von Angela Merkel war einiges dabei. Auf Unternehmensseite überzeugte u.a. Condor mit einer professionell aufgemachten Falschmeldung zu Verdienstmöglichkeiten als Passagier an Bord. Das Online-Portal Dreamlines veranstaltet nach eigenen Angaben die erste Galeeren-Kreuzfahrt der Welt und die Reisesuchmaschine KAYAK hat ein neues Tool zur Badezimmersuche online freigeschaltet. Hier die besten PR-Gags von heute.

Mario Arnold

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