No frills or with frills?

Low-Cost oder Full-Service? Unsere Luftfahrtfans Roberto und Mario reisen viel und gerne – nur bei der Wahl der Airline sind sie sich nicht ganz einig…

Alles Inclusive, bitte! …meint Roberto La Pietra

Gerade eben komme ich von einem Kurztrip über das lange Wochenende am 3. Oktober zurück und muss zugeben: Alghero auf Sardinien würde ich auf „klassischem“ Weg wahrscheinlich nicht besuchen, daher kann ich Ryanair und Co. jetzt nicht komplett schlechtheißen. Dennoch muss ich sagen, dass mich Low-Cost zu fliegen prinzipiell eher stresst. Von der langen Fahrt von München nach Memmingen will ich jetzt gar nicht anfangen, denn darauf kann ich mich mental und organisatorisch vorbereiten.

Was mich vielmehr stört, ist zum Beispiel der ganze Einsteigeprozess. System? Fehlanzeige. In Memmingen waren alle 180 Passagiere buchstäblich in den Gate-Bereich gezwängt. Rund die Hälfte davon stand schon 45 Minuten vor Abflug am Ausgang an. Pech nur für die Herrschaften, dass das Gate-Team kurzerhand einen zweiten Ausgang öffnete. Die ersten waren plötzlich die letzten. An Bord folgte dann der obligatorische Kampf ums Gepäckfach, denn der Großteil der Passagiere reist bekanntlich mit dem gerade noch zulässigen Handgepäck.

Die letzten, die an Bord kommen, geraten folglich in Panik und rennen verstört die Reihen ab, um Trolley und Flughafen-Einkäufe noch irgendwo unterzubekommen. Familien kommunizieren voller Schnappatmung über gefühlte zehn Reihen hinweg, bevor sich die Crew letztendlich dem Problem annimmt und die überschüssigen Trolleys in den geheimen Winkeln des Fliegers unterbringt.

Kaum sind die Türen geschlossen, beginnt ein unaufhörlicher Marathon an Durchsagen, dem eigentlich nur mit Kopfhörern und lauter Musik entgegen zu treten ist. Mietwagen-Vorteilsbuchungen und der Verkauf von Lotterielosen sind für die Crew nur zwei der vielen Anlässe, das Bordmikro in die Hand zu nehmen.

Die Zusammensetzung der Passagiere variiert freilich je nach Tag, Uhrzeit und Strecke – dennoch ist der Anteil der „Kegelvereine“ schon überdurchschnittlich hoch im Vergleich zu einem herkömmlichen Linienflug. Dementsprechend verbringen manche Mitreisenden mehr Zeit auf dem Gang als auf ihrem Sitz – wahlweise, um die auf das gesamte Flugzeug verteilte Clique für einen Plausch zu besuchen oder, um in der Bordbar im 10- Minuten-Takt „Nachschub“ für’s urlauberische Vorglühen zu besorgen.

Viele werden jetzt sagen: „Mein Gott: weite Anreise, turbulentes Boarding sowie Aufschläge für Snacks und Getränke muss man halt in Kauf nehmen für die günstigen Preise.“ Aber soooo billig erscheinen mir dann 190 Euro für einen Flug nach Sardinien auch wieder nicht. Klar komme ich preiswerter davon, wenn ich Verbindungen weitab von Feiertagsdaten und zu Tagesrandzeiten wähle und sie noch dazu schön frühzeitig buche. Unter DEN Voraussetzungen ist ein Linienflug allerdings meist ebenfalls recht günstig zu haben.

Daher ist mein Fazit als recht ordnungsliebender und ungeduldiger Mensch: Hin und wieder kann es schon mal ein Low-Cost-Flug sein – zur Gewohnheit wird es bei mir aber glaube ich nicht werden.

Credit Allgäu Airport Memmingen

Das alleinige Terminal am Flughafen Memmingen / Foto: Allgäu Airport Memmingen

Danke, Ryanair! …findet Mario Arnold

Es war einmal 1998. Das Return-Ticket fürs romantische Wochenende in Paris hat mehrere hundert DM gekostet – leisten konnten es sich nur die Besserverdienenden. Heute geht es mit Germanwings auch für kleines Budget Richtung Baguettes. Fliegen ist erschwinglich geworden. Wem haben wir das zu verdanken? Ryanair und allen, die ihr nachfolgten. Heute können sich auch Familien mit kleinerem Einkommen ihren jährlichen Urlaub mit dem Flieger gen Süden gönnen. Billigflieger haben das früher elitäre Fluggeschäft demokratisiert. Wie die Statistiken zeigen, sind sie innereuropäisch inzwischen das „normale“ weil mehrheitlich am Markt vertretene Geschäftsmodell. Warum? Weil sie mehr Kundenorientierung bieten als die meisten Premiumairlines. Jede Umfrage belegt: Was Kunden am wichtigsten erscheint, ist ein günstiger Transport von A nach B. Dem Freizeitreisenden geht es eher darum sich den Flug überhaupt leisten zu können als darum, ob die Sitzbezüge etwas weicher sind oder nicht. Natürlich ist die Packung kostenlose Cracker nett, aber braucht man die meist ja doch langweilig schmeckenden Kohlenhydrate wirklich? Und wer sie dennoch möchte, kann sie sich gerne vor Ort kaufen. Niemand muss genau den Snack wählen, der für die Airline im Masseneinkauf gerade am günstigsten war. Low-Coster bieten individuelle Kundenorientierung in Perfektion – Wahlfreiheit ist King! Wer kein Gepäck aufgeben will, der ist nicht gezwungen, die Baggage der anderen Passagiere quer zu subventionieren.

Ich selbst kann mich daher bei Ryanair & Co nur inständig bedanken. Dank euch habe ich von Europa so viel gesehen, wie es mit Traditionscarriern wohl kaum möglich bzw. finanzierbar gewesen wäre. Nur zu gerne erinnere ich mich noch an die Zeiten während meines Studiums in Köln – per NRW-Semesterticket ging es umsonst zum Airport Weeze, von dort für 12 Euro return (ja – wirklich inklusive aller Gebühren!) nach Dublin. Dank Luftverkehrssteuer und Marktsättigung kostet mich der diesjährige Irland-Trip zwar 56 Euro return, das ist schon etwas mehr – aber dennoch weiterhin unschlagbar. Dafür nehme ich gerne in Kauf, etwas weiter zum Airport zu fahren. Beispiel Memmingen: Okay, der Titel „München-West“ ist übertrieben. Aber ab München Hbf ist man mit dem Direktbus in 1,5 Stunden am Terminal. Die Fahrt vom Hbf zum regulären Flughafen München dauert fast eine Stunde, also nur unwesentlich weniger. Zumal man die Zeit schnell raushat: Denn am Günstig-Airport sind die Wege kürzer und die Ankunft am Flughafen reicht kurz vor Abflug!

Die Zukunft der Kurz- und Mittelstrecke gehört Low-Cost. Sowohl an den Wald- und Wiesen-Airports wie auch den großen Hubs, easyJet macht es vor. Ich würde sogar noch einen Schritt weitergehen: Innovationen im Bereich Bordprodukt sind auf absehbare Zeit keine Domäne der Alteingesessenen mehr: Denn bislang gibt es in Europa nur eine Airline, die nicht nur WLAN an Bord anbietet, sondern das Surfen über den Wolken selbst jedem Eco-Gast auch noch kostenlos ermöglicht: Norwegian – ein Billigflieger! 🙂

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