Nicht alles bare Münze bei Facebook

Über das Thema Facebook wurde in jüngster Zeit viel geschrieben. Viele sind entsetzt darüber, wie rau der Ton auf der Nummer eins der sozialen Netzwerke ist. Durch die Flüchtlingskrise hat sich das Ganze enorm zugespitzt. Was ich aber mittlerweile fast genauso besorgniserregend finde: die Art, wie praktisch jede Information für bare Münze gehalten wird. Hat sich ein Gerücht zudem erstmal verselbstständigt, kommen kritische Stimmen, die eine Fehlmeldung entlarven wollen, kaum oder gar nicht mehr dagegen an.

Da macht zum Beispiel jüngst die Meldung die Runde, die EU reglementiere den Gemüseanbau im privaten Garten. Viele schießen sich drauf ein und schlagen in ihren Facebook-Kommentaren auf den bürokratischen Apparat der Union ein. Ein einziger User meldet sich zu Wort. Der Artikel sei zwei, drei Jahre alt und der Antrag damals auch schnell vom Tisch gewesen. Der Großteil der Nutzer hatte sich seine Meinung jedoch schon gebildet…

Manchmal sind es viel trivialere Dinge, die sich als „Hoax“ erweisen. Vor geraumer Zeit kursierte ein Bild aus Asien bei Facebook. Auf einem Amt stellten Wartende ihre Flip Flops in die Schlange, um sich nicht die Beine in den Bauch stehen zu müssen. Ein bis zwei Jahre später wurde diese geniale Idee und das Bild dazu den Hawaiianern zugeschrieben. Die ernteten mächtigen Applaus für ihren beispiellosen Aloha-Spirit. Woher das Motiv letzten Endes wirklich stammt, wer weiß es schon?

Geteilt ist schnell…(c) flickr

Auch Michael J. Fox, der Held aus Zurück in die Zukunft, kam gefühlt fünf bis sechs Mal in den vergangenen Jahren in der Zukunft an. Immer wieder waren User der Falschmeldung aufgesessen und teilten diese freudig – auch wenn das Datum nur ein einziges Mal korrekt war – am 21. Oktober 2015 nämlich und nicht einen Tag früher oder später.

Klar kann man jetzt sagen: Was soll’s? Aber damit macht man es sich zu einfach. Als Facebook-User wird jeder zum Redakteur. Nur: Wir sind nun mal größtenteils keine Journalisten, die Fakten ordentlich überprüfen und auf Herz und Nieren testen. Daher ist es auch so fahrlässig, Annahmen einfach ins soziale Netzwerk zu pusten. Denn leider gibt es viele User, die alles, aber wirklich alles, für bare Münze halten.

Die Satirezeitung Der Postillion macht sich die Leichtgläubigkeit der User immer wieder gern zu eigen und postete neulich, der Elektronikkonzern LG würde die Abkürzung für „Liebe Grüße“ neuerdings verbieten. Einige Nutzer griffen das Unternehmen darauf hin bei Facebook an. Das Social Media-Team dort nahm es gelassen und reagierte humorvoll…

(c)pixabay

Wie fatal Falschmeldungen sein können, zeigten jüngst gleich mehrere Beispiele. Das dreizehnjährige russlanddeutsche Mädchen wurde nämlich keineswegs durch eine Gruppe von Flüchtlingen vergewaltigt, wie sich rausstellte. Für eine Staatskrise zwischen Deutschland und Russland reichte die Meldung dennoch. Dazu trug auch oder vor allem bei, dass sich die Falschmeldung so schnell über Facebook verbreitete.

Nicht viel anders sah es bei der Meldung zu einem Flüchtling aus, der in Berlin angeblich nach tagelangem Warten an Kälte und Erschöpfung starb. Hierbei trugen die klassischen Medien jedoch ebenfalls dazu bei, dass die News rasant durch das Netz ging. Wahrscheinlich befeuerten sich diese und die sozialen Netzwerke in dem Fall sogar gegenseitig.

Fazit: Man sollte prinzipiell eigentlich alles in Frage stellen anstatt es sofort für wahr zu halten. Einfach ist das sicherlich nicht. Notwendig auf jeden Fall!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s