66. DRV-Jahrestagung in Berlin

Schon im Vorfeld gab es um die diesjährige Tagung des Deutschen ReiseVerbands (DRV) großen Wirbel. Nachdem die Anmeldungen für den ursprünglichen Tagungsort in der Türkei nur schleppend hereinkamen, entschied man sich rund zwei Monate vor Beginn, die Veranstaltung nach Berlin zu verlegen. Zu viele hatten Kusadasi auf ihre Weise eine Abfuhr erteilt. Die einen aus Angst vor Anschlägen, die anderen aus politischer Überzeugung. Manche womöglich aus beiden Gründen.

Dass die Welt geopolitisch nicht mehr die ist, die wir kennen, zog sich dann auch am Freitag wie ein roter Faden durch das Vortrags- und Diskussionsprogramm. Der wohl prominenteste Gast der Tagung war Antonia Rados – ihres Zeichens TV-Journalistin und langjährige Kriegsberichterstatterin und buchstäblich mit allen Wassern gewaschen. Sie legte den rund 600 Tagungsgästen dann auch ans Herz, sich langfristig auf die neuen Gegebenheiten im Tourismus einzustellen. Auch wenn der Terror, so Rados, eine wichtige Waffe habe: die Angst. Und die sei sehr, sehr stark.

Antonia Rados über die neue Weltordnung

Antonia Rados über die neue Weltordnung

Ein recht negatives Bild zeichnete sie insbesondere für Ägypten. Das Land am Nil würde aus seiner Krise noch lange nicht herausfinden. Überaus positive Zeichen sah sie jedoch ebenso politisch wie touristisch für den Iran. Das Land der Mullahs werde langfristig eine Schlüsselrolle in der Region spielen und sich gleichzeitig für die Reise-Industrie öffnen. Eine ähnliche Rolle – zumindest in politischer Hinsicht – sieht sie für die Türkei. Wir müssten daher als Branche auf diese beiden Länder setzen.

Auch wenn der erste Tagungstag vom Thema Krise und Weltordnung bestimmt war, beschäftigte sich die Veranstaltung natürlich noch mit weiteren Punkten. Viel diskutiertes Thema ist die neue Pauschalreise-Richtlinie der EU, die vorsieht, Reisebüros in die Veranstalter-Haftung zu nehmen, sobald diese mehr als eine Reiseleistung wie Flug oder Hotel für den Kunden buchen. Hier stellte Staatssekretär Gerd Billen der Branche Besserung in Sicht. Auch in seinen Augen ginge die geplante Bestimmung an der Realität vorbei und sei – so nebenbei – auch nie auf Druck von Verbraucherverbänden hin entstanden.

Wilde-Team bei der Tagung

Wilde-Team bei der Tagung

Nicht zuletzt standen bei der 66. DRV-Jahrestagung in Berlin die Vorstandswahlen für die Amtszeit bis 2019 an. Dies war auch ein wichtiger Grund, warum eine hohe Teilnehmerzahl für die Veranstalter so essenziell war und rund 300 Gäste in der Türkei wenig repräsentativ gewesen wären. Wichtigstes Ergebnis: Präsident Norbert Fiebig bleibt die kommenden drei Jahre im Amt und wurde mit nahezu 100 Prozent wiedergewählt – Mitbewerber traten für die Position jedoch auch nicht an.

Mit leicht rückläufigen Branchenzahlen in diesem Geschäftsjahr, digitalen Herausforderungen für die Industrie, Lobby-Arbeit in Richtung Brüssel und die unberechenbare Situation insbesondere in Nord-Afrika wird es dem alten und neuen Präsidenten des größten, deutschen Reiseverbands sicher nicht langweilig werden!

 

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