Zu Gast bei Wilde & Partner – Hausbesuch vom Staatssekretär

Wo drückt der Schuh? Lust und Frust zum Thema Familienfreundlichkeit – von unserem Dialog mit der Politik

Seit Jahren einen festen Platz unter den 50 umsatzstärksten und wirtschaftlich erfolgreichsten Kommunikationsagenturen in Deutschland und gleichzeitig unter den 20 familienfreundlichsten Unternehmen in Bayern? „Das bekommt Ihr doch nicht unter einen Hut“, ernte ich immer wieder heftiges Kopfschütteln. Und dann noch: „In Agenturen geht vor 21.00 Uhr nicht das Licht aus. Ihr arbeitet doch für Auftraggeber rund um den Globus – in verschiedenen Zeitzonen und auch ab und zu sogar an Sonn- und Feiertagen“. Alles richtig. Die Kommunikationsindustrie ist – wie sagt man – kein „Ponyhof“. Unsere Teams stehen permanent unter Druck, „pressing deadlines“ sind unsere täglichen Begleiter, Krisenkommunikation eine unserer Kernkompetenzen.

Krisen orientierten sich nicht an den regulären Arbeitszeiten zwischen 9.00 und 18.00 Uhr. Und wenn Kunden eine Rufbereitschaft rund um die Uhr, an Wochenenden und Feiertagen wünschen, dann sind sie bei uns an der richtigen Adresse. Die Frage ist also durchaus berechtigt: Wie lässt sich in einem solchen Umfeld ernsthaft ein Klima schaffen, das den Namen „familienfreundlich“ verdient? Nun – ich kann heute mit Fug und Recht behaupten: Es geht! Und es macht Spaß! Meistens…

Doch vorab: Nein – wir sind keine „Gutmenschen“ – ohne dieses Wort missbräuchlich verwenden zu wollen. Die Verantwortung für rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – alle im Übrigen fest angestellt – erlauben keine Experimente. Zudem bewegen wir uns seit über drei Jahrzehnten in einem harten Wettbewerb. Konkurrierende Marktteilnehmer haben sich andere Spielregeln gesetzt und umschiffen mehr oder weniger elegant die soziale Verantwortung.  Eigene Philosophie… Dennoch muss ich einräumen: Das mit dem familienfreundlichen Umfeld ist alles andere als einfach. Darüber können auch die zahlreichen Auszeichnungen und Preise nicht hinwegtäuschen, mit denen wir bereits ausgezeichnet worden sind. Wir bohren dicke Bretter. Und das jeden Tag.

Davon hat auch Johannes Hintersberger, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration, eine Vorstellung bekommen, als er uns in der vergangenen Woche einen Besuch abstattete. Keine Frage: Wir sind mächtig stolz, von der Bayerischen Staatsregierung für unsere „vorbildliche“ Unternehmenskultur ausgezeichnet und als „Visitenkarte der bayerischen Wirtschaft“ tituliert zu werden.

Friede – Freude – Eierkuchen? Auch bei uns nicht! Mit einem Anteil an weiblichen Kolleginnen von nahezu 90 Prozent liegt es auf der Hand, dass die individuelle Familienplanung nicht konform mit unserer internen Planung geht. Auch das ist Teil des Alltags. Und das ist gut so. Aber – uns würde vieles einfacher gemacht, wenn unsere Mitarbeiter mit Familie oder unsere Mitarbeiterinnen in Elternteilzeit und somit auch wir in dieser Phase nicht alleine gelassen werden.

Wir haben unserem Besucher aus dem Staatsministerium mit auf den Weg gegeben: Es gibt nach wie vor zu wenig Betreuungsplätze. Und es mangelt an Plätzen, die im Hinblick auf die notwendigen Zeiten auf die Bedürfnisse von mittelständischen Unternehmen ausgerichtet sind.

Wir waren ehrlich gesagt von unserem Besucher sehr angetan: Fast drei Stunden hat sich Staatssekretär Hintersberger Zeit genommen. Hat mit vielen Kolleginnen und Kollegen gesprochen. Hat Tipps gegeben. Und hat uns vor allem aufgefordert, unsere Anliegen an von ihm genannte Fachabteilungen zu richten. Hat uns seine Unterstützung zugesichert. Und falls Herr Hintersberger unseren Blog liest: „Herr Staatssekretär – wir nehmen Sie beim Wort!“  Was uns auch positiv aufgefallen ist: Das für uns zuständige Ministerium scheint sich sehr wohl bewusst zu sein, dass wir uns aktuell in einem nahezu revolutionären Umbruch der Arbeitswelt bewegen.

Die Digitalisierung stellt in den kommenden Jahren alles auf den Kopf, was bislang gelernt war. Mit all den positiven Auswirkungen. Aber auch mit zahlreichen Begleiterscheinungen, die alles andere als positiv sind. Viele Jobs wird es in absehbarer Zeit nicht mehr geben – das wissen viele. Und viele werden in der Konsequenz einfach keine Arbeit mehr bekommen. Antworten auf diesen Prozess hat auch das Ministerium nicht.

Engagement, das sich lohnt:

Abschließend noch eine Frage, die mir immer wieder gestellt wird: „Habt Ihr durch Eure Bemühungen um ein besonders familienfreundliches Umfeld jemals einen neuen Kunden gewonnen?“ Nun – die Antwort ist einfach: Nein.  Aber – als Instrument zur Kundenbindung sind unsere Auszeichnungen jede Mühe wert. Ich bin überzeugt: Unsere Aufraggeber spüren bereits nach kurzer Zeit, was wir unter Unternehmenskultur verstehen und wie wir intern miteinander umgehen. Sie wissen – so meine ich – zu schätzen mit PR-Profis zu arbeiten, die ihrer Tagesarbeit in einem Umfeld ausüben, in dem auf die Bedürfnisse von Familien eingegangen wird und in dem die Beförderung von Frauen fest verankert ist.

Aber was ebenso wichtig ist: Wir gewinnen durch unsere Personalpolitik für uns seit Jahren die besten Talente. Und wir binden die besten PR-Spezialisten an uns. Welche Agenturen können schon von sich behaupten, eine extrem niedrige Fluktuation zu haben? Wo ist die erfolgreiche Agentur, dessen Leitungsteam weit über zehn Jahre Verantwortung trägt? Bei uns haben wir neben dem besonderen Klima unter anderem über flexible Arbeitszeiten, private Altersvorsorge und andere Leistungen dazu beigetragen, dass wir die Besten bei uns wissen. Das motiviert und lässt uns weiter dicke Bretter bohren.

Herr Staatssekretär – Danke für Ihren Besuch! Wir wissen es sehr zu schätzen.

Yvonne Molek

 

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