Europe second? Wie ein YouTube-Trend den Kontinent zum Lachen bringt

Einen viralen Trend zu prägen, gehört nicht unbedingt zu den leichtesten Disziplinen der Kommunikationsbranche. Hinter den besten Aktionen stehen oftmals auch keine Strategen, sondern einfach eine spontane Idee, die dann aber dermaßen genial ist, dass morgen schon alle drüber reden.

So geschehen bei der aktuellen Donald Trump-Verballhornung durch eine Latenight-Show in Holland. Die schlug nicht nur bei den YouTube-Usern ein, sondern diente anderen Ländern als Vorlage, in genau das gleiche Horn zu blasen.

Quelle Wikipedia

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Im Original nehmen die Macher den US-Präsidenten auf die Schippe, indem sie in bekanntem Trump-Sprech für Holland als starken Partner an seiner Seite werben. Der Appell: Wenn es schon „America First“ heißt, warum dann nicht „Netherlands second“? Auf geschickte Weise lassen die Erfinder all die Floskeln Trumps in ihren fingierten Bewerbungsclip einfließen. Da werden Sprachen wie Deutsch schon mal zur „Fake language“ degradiert und Dänisch gar zum „Desaster“.

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Quelle Wikipedia

Letztere ließen diese lustige Kritik nicht lang auf sich sitzen und zogen mit einem Clip in gleicher Tonalität nach. Die Schweizer spielten das Spiel ebenfalls mit und in Deutschland gibt es nach der gesamtdeutschen Version von Jan Böhmermann sogar eine bayerische Variante des BR-Formats quer. Im Osten Europas machten dagegen sogar die Litauer mit – mit Lithuania Third. Im Süden waren zum Beispiel die Portugiesen schnell mit von der Partie.

Für mich am faszinierendsten: Mit dieser Aktion ist ein seltener pan-europäischer Viral-Hit geglückt. Ein Clip, der den amerikanischen Präsidenten gekonnt aufs Korn nimmt, ihn mit seinen eigenen (sprachlichen) Waffen schlägt und gleichzeitig mehrere Länder diesseits des Atlantiks in ihrem Humor eint.

Gleichzeitig nehmen die Länder nicht nur Trump, sondern auch sich selbst und ihre Nachbarländer auf die Schippe. Dabei bedienen sie sich freilich alter Klischees, gehen aber sportlich und augenzwinkernd miteinander um und zeigen, dass Spaß wahrscheinlich die beste Völkerverständigung ist.

Nachdem der Eurovision Song Contest, ursprünglich mal als friedliches Musik-Fest der Nationen geplant, mit jedem Jahr zunehmend zum Politikum unter den teilnehmenden Ländern wird, ist solch eine YouTube-Battle vielleicht genau die Art von Schenkelklopfer, die der Kontinent mal gebraucht hat, um die bierernsten Interessenskonflikte um Populismus, Flüchtlings- oder Eurokrise mal eine kurze Zeit zu vergessen…

 

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