Der GTM in Nürnberg

Mit rund 500 Gästen aus der ganzen Welt ist der jährliche GTM die wichtigste Veranstaltung der DZT für Industrie-Partner, die das Reiseland Deutschland vermarkten. Unser Agenturchef Thomas C. Wilde berichtet vom Event in Nürnberg:

Nürnberg im Mai 2017: vor den Ständen des Christkindlesmarkt drängt sich eine Gruppe Chinesen – Glühwein in der rechten, Lebkuchen in der linken Hand. Weihnachtslieder – Blaskapelle und das bei Temperaturen, die sich durchaus auf dem Niveau des Dezember vorigen Jahres bewegen. Nein – hier handelt es sich weder um Generalproben für die kommende Ausgabe des wohl berühmtesten Marktes seiner Art, noch bewegen sich die Gäste aus Asien in der Kulisse für einen Spielfilm. In Szene gesetzt wird das durchaus skurril anmutende Bild vielmehr für Touristiker aus aller Welt, die in ihren Ländern das Reiseland Deutschland als Urlaubsangebot verkaufen. Und auf einem Kurztrip ins Fränkische einen authentischen Eindruck bekommen sollen, wie es sich denn so anfühlt in Deutschland. Die Strategie: werden die Einkäufer von Reiseveranstaltern in den Bann gezogen und von Deutschland als Urlaubsland fasziniert, dann läuft es später auch mit den Touristen. Und so werden weder Kosten noch Mühen gescheut, um Deutschland als buntes und abwechslungsreiches Reiseland zu demonstrieren: Sicher, freundlich zu den Gästen, einfach zu bereisen – mit einem günstigen Preis-Leistungs-Verhältnis.

Und die Strategie geht auf: Jahr für Jahr lädt die Deutsche Zentrale für Tourismus – unser nationales Tourist Board – die relevanten Touristiker zum GTM – dem Germany Travel Mart ein. Jedes Jahr in eine andere deutsche Stadt. GTM – das ist das Schaufenster der deutschen Reiseindustrie schlechthin. In diesem Jahr hatte die DZT mehr als 500 Gäste aus aller Welt – unter ihnen Vertreter von namhaften Reiseveranstaltern und rund 150 Journalisten – nach Bayern eingeladen. Tenor: Schaut Euch an, was wir Euren Landsleuten zu bieten haben. Hier erfahren die Touristiker aus Shanghai und New York, aus New Delhi, Moskau, Wien und Zürich wie Deutschland schmeckt, wie Deutschland riecht. Sie erfahren etwas über deutsche Geschichte, wissen nach der Reise um das Reinheitsgebot und wo sich ein viertägiger Kurs buchen lässt, in dem die Kunst des Bierbrauens vermittelt wird.

Keine Frage: im eigenen Land rangiert die Bedeutung des internationalen Tourismus vielfach unter ferner liefen. GTM – was ist das? Sehr bedauerlich. Denn Deutschland ist schon lange nicht mehr das Land, das die meisten Reisenden in die Welt schickt, wobei die Deutschen ihren Urlaub am liebsten im eigenen Land verbringen. Nein – Deutschland ist Reiseziel, rangiert auch in der Gunst der Europäer ganz oben. Genauer gesagt: Deutschland ist nach Spanien das beliebteste Reiseziel der europäischen Touristen. Und wird von Jahr zu Jahr attraktiver.

Erstmals wurden 2016 in Deutschland mehr als 80 Millionen Übernachtungen ausländischer Gäste registriert. Das bedeutet das siebte Rekordergebnis in Folge. Insgesamt zählte das Statistische Bundesamt von Januar bis Dezember 80,8 Millionen internationale Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben mit mindestens zehn Betten, ein Plus von 1,1 Millionen im Vergleich zum Vorjahr. Nicht so ganz einfach in Zeiten, wo Angst vor Terroranschlägen oder der BREXIT, wo wirtschaftliche Krisen und andere Faktoren weltweit auf die Stimmung drücken. Von nix kommt nix…80 Millionen Übernachtungen von internationalen Gästen in einem Jahr – das ist ein Statement.

Alle wissen es, aber so richtig verinnerlicht scheint es auch nicht unbedingt jeder Politiker zu haben: Touristen übernachten nicht nur: sie reisen, gehen in Restaurants und kaufen ein. Sprich – ohne die Touristen wäre unser Land im wahrsten Sinne des Wortes ärmer. Deutlich ärmer. Ein Blick zu unsern Nachbarn nach Paris und Brüssel zeigt sehr deutlich, wie zerbrechlich und empfindsam das Geschäft mit den internationalen Touristen ist – Gastronomen und Einzelhändler aus den beiden Städten können ein Lied davon singen, wie drastisch ihnen die Terroranschläge des vergangenen Jahres zugesetzt haben. Von einer Woche auf die andere blieben die Gäste aus Übersee weg, wurde die Stadt der Liebe mit Verachtung abgestraft. Jetzt heißt es: wieder aufstehen. Und weltweit für Vertrauen sorgen. Davon profitiert übrigens auch unser Land. Denn Deutschland liegt auf der europäische Reiseroute von Urlaubern aus Amerika und Asien. Mitgehangen – mitgefangen: in guten wie in schlechten Zeiten.

Zurück zum GTM in Franken – einige Passanten schütteln abwinkend und misstrauisch den Kopf. Die Gäste aus dem Reich der Mitte dagegen kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Mission gelungen: die Mannschaft der Congress- und Tourismus Zentrale Nürnberg, von Bayern Tourismus Marketing und der DZT haben ganze Arbeit geleistet: monatelange Vorbereitung für ein Event, das in Deutschland quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet und keine Schlagzeilen generiert. Das aber unter Garantie in der Erinnerung bleiben wird. Positiv. Als Beispiel gelebte Gastfreundschaft made in Germany – Visitenkarte für eine ganze Branche. Die Touristiker aus Shanghai und Peking werden ihren Landsleuten einiges zu berichten haben. Auch davon, dass die Deutschen seltsamerweise auch im Mai ihre Weihnachtslieder singen… Das müsst ihr Euch ansehen…

Im nächsten Jahr findet der GTM übrigens in der Elbstadt Dresden statt.

Thomas C. Wilde

 

 

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