Time to say good-bye

In der Luftfahrbranche sind Erstflug-Events ja so etwas wie das absolute Highlight für die PR-Verantwortlichen. In jüngster Zeit hat man aber beinahe das Gefühl, dass in der Industrie mehr Abschiede zelebriert werden als Premieren.

Das eine hängt freilich mit dem anderen zusammen: Die Zeiten in der Luftfahrtentwicklung sind dynamisch wie selten zuvor – eine Verbesserung und Weiterentwicklung jagt quasi die nächste. Airbus verpasst seinem A330 eine Neo-Version mit erhöhter Reichweite, so dass der Flugzeugbauer sogar dem eigenen A350 Konkurrenz macht. Boeing tüftelt an einer 777 mit rekordverdächtiger Spannweite und einklappbaren Flügelspitzen. Und auch Airbus arbeitet für den A380 an einer sogenannten Plus-Version mit größeren Winglets.

Airbus A330neo (c) commons wikimedia

Allen Projekten gemeinsam ist das Ziel, den Spritverbrauch massiv herunterzufahren und die Reichweite nochmal spürbar zu erhöhen. Vor einigen Jahren galten Ultra-Langstrecken wie Singapur-Los Angeles als Exoten in den Streckennetzen der Airlines, heute erfreuen sie sich großer Beliebtheit. Und so kommt es, dass alte Flugmodelle zunehmend den Weg für die neue Generation der Zweistrahler freimachen.

Dabei waren die scheidenden Muster jahrzehntelang die Arbeitspferde von Airlines – daher werden ihre Letztflüge oftmals mit sprichwörtlichen Pauken und Trompeten inszeniert – auch oder gerade, um der oftmals so treuen Community die Chance für einen würdigen Abschied zu geben und die Anlässe für die eigene PR zu nutzen.

So geschehen zum Beispiel kürzlich bei United. Einer der absoluten Heavy-User der Boeing 747 baut zunehmend auf die Zweistrahler 777 und 787. Der letzte Jumbo-Flug aus Europa wurde feierlich mit Abflug in Frankfurt begangen – wenig später fand die finale Reise aus Asien mit Abflug in Seoul statt. Für den heimischen US-Markt legte die Airline sogar nochmal zwei Inlandsrouten auf, die sich dann auch verkauften wie geschnitten Brot: einmal auf der Route von Chicago nach San Francisco – und einmal von Honolulu Richtung Bay Area. Beide Strecken waren einst absolute Renner für den Jumbo.

Boeing 747-400 (c) commons wikimedia

In Rente gehen derzeit aber auch kleinere Flugzeugmuster. So zelebrierte KLM zum Beispiel eben erst das Ende ihrer Fokker 70. Dieses zuletzt recht nischige Exemplar wird bei den Holländern künftig durch die wachsende Zahl der brasilianischen Embraer-Jets ersetzt, deren Verbrauch auf den bedienten Kurzstrecken massiv unter dem des Vorgängers liegt.

Fokker 70 (c) commons wikimedia

Bei Swiss sah es zum Ende des Sommerflugplans ähnlich aus. Die baute nämlich lange Jahre auf die Avroliner – aufgrund der vier Turbinen von vielen liebevoll Jumbolino genannt. Nun war es an der Zeit, sie angesichts der supermodernen CSeries des kanadischen Flugzeugbauers Bombardier zu ersetzen. Auch das geschah mit eindrucksvollen PR- und Social-Media-Maßnahmen.

Und noch ein weiteres Ereignis der Branche verstärkte den Eindruck der fliegenden Abschiede, wenngleich der Anlass ein völlig anderer war. Mit dem Ausscheiden der Air Berlin aus der Branche machten insbesondere in den sozialen Netzwerken gleich mehrere „Farewells“ die Runde. Nicht ganz unumstritten war die Extrarunde eines A330 aus Miami über dem Flughafen von Tegel. Der Pilot hatte zuvor die Passagiere informiert und startete eindrucksvoll durch, bevor er im Tiefflug über den Tower des Berliner Airports glitt.

Für die finale Reise von München nach Tegel waren passionierte Fans bereit, hohe Summen zu zahlen, um an Bord des denkwürdigen Fluges zu sein. Auch hier zeigte sich: Bei aller Begeisterung für die Neuerungen der Zukunft schlägt das Herz vieler Reisenden ganz enorm für die liebgewonnen Airlines und deren Flieger.

Ob Air Berlin irgendwann ähnlichen Kultstatus haben wird wie eine Pan Am? Im Moment sieht es stark danach aus…

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